| K.U.L.M./spaetsommer.akademie
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Ideengeschichtliche Begriffs-Metamorphosen von "Akademie"EtymologischesAus "akadémeia". Griechische Flurbezeichnung. Name eines dem altattischen Heros "Akademos" geweihten Hains nördlich von Athen. Im Grunde seines ursprünglichen Bedeutungsgehaltes ist Akademos selbst ein Name wie Bußwald, Frankenberger, Ranegger, Schafler oder Skerbisch (oder Plankl, Pretterhofer, Stibor) Die Gründung der Akademie von Athen und ihre Entwicklung Um das Jahr 385 v. Chr. kaufte Platon den Hain des Akademos. In dieser großzügigen und aufwendigen Parkanlage, wo sich im Schatten üppiger Platanen, Silberpappeln und Ulmen umherwandeln, diskutieren und philosophieren ließ, errichtete Platon eine neue Schulgemeinschaft, die "Akademia". (Ein Begriff, der in Folge von der Antike über die Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart prägendes Vorbild und Namensschablone für Philosophenschulen, Gelehrtenvereinigungen, Forschungsstätten, Bildungsinstitutionen, Fachhochschulen und (Spät-)Sommerakademien aller Art werden sollte.) In der Praxis des Schulbetriebs kristallisierten sich unterschiedliche Schultypen heraus. Anhänger der Platonischen Philosophie bezeichnete man als "Akademiker", Anhänger der aristotelischen Philosophie als "Peripatetiker". Akademiker (Platoniker) vs. Peripatetiker Platon suchte das sichere Fundament, auf dem jedes Individuum sein Selbstvertrauen errichten könnte. Als das Fundament als das vernünftige Prinzip der Weltordnung im Ganzen galt den Platonikern die Idee des Guten, die Idee der Gerechtigkeit. Und die Akademie war der Ort, an dem diese Idee in ein Erziehungsprojekt zur Heranbildung von Gerechten umgesetzt werden sollte. Grundprinzip platonischer Weltanschauung und platonischen Weltzuganges ist der sogenannte platonische Chorismos, das Fürsichsein und Getrenntsein der Ideen über dem werdehaften Seienden. Im Gegensatz dazu ist für die Peripatetiker die Welt nicht in die sinnliche und geistige Welt geteilt, sondern ist ein einziger Kosmos als untrennbare Wirkeinheit des Geistes und der Materie. Das Einzelne wird durch Abstraktion erkannt. Das Einzelne als das aus Sein und Nichtsein Gemischte ist der einzige Ort, an dem auch das Übereinzelne-Geistige Wirklichkeit hat. So haftet dem Peripatetischen Weltenzugang mehr Chthonisches an als dem Platonischen Ideenkosmos. Epochenzäsur 529 n. Chr. Im Jahre 529 n. Chr. verfügte Kaiser Justinian, angestachelt von fanatischen Anhängern der antihellenischen Partei, durch einen Erlaß die Schließung der Akademie zu Athen. Die letzten Lehrer und Schüler suchten Zuflucht am Hofe des persischen Königs Khusraw Anoshakrawan. Die Jahreszahl 529 symbolisiert einen historischen Bruch: Die Schließung von Platons Philosophenschule nach 800jährigem Bestehen bedeutete das Ende antiker Denkfreiheit und den Sieg des Christentums über die heidnische Welt. Im selben Jahr gründete Benedikt von Nursia in Montecassino das erste christliche Kloster und eröffnete damit die jahrhundertelange Herrschaft der Theologie über das Geistesleben. Neuzeit Erst mit dem Anbruch der Renaissance im Ausgang des Mittelalters erfolgte auch wieder die Neugründung von Akademien als Zeichen eines geistigen Aufbruches in eine Neue Zeit (erstmals in Florenz 1440). Damit war die Befreiung der Philosphie/Wissenschaft aus ihrer Abhängigkeit von der Theologie vollzogen. Seitdem steht der Titel Akademie für gelehrte Vereinigungen zum Zwecke wissenschaftlicher Forschungen: Akademie der Wissenschaften/ Académie Francaise. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff auch für bestimmte Fachhochschulen, Bergakademien, Pädagogische Akademien, Kunstakademien, etc. verwendet. Erst im 19. Jahrhundert bekam der Begriff allmählich eine negative Färbung. Das Akademische wurde zum Synonym für Beamtentum im hermetischen Elfenbeinturm, die Professoren als königliche/staatliche Beamte vermittelten Blutleere in den Lebensadern. "Akademie" als offener Begriff 2003 (Akademiebegriffsskulptur) Als Gesamtbild aus dem geschichtlichen Zeitenwandel hat sich der Akademiebegriff zu einem positiv konnotierten Terminus (Begriffs-Skulptur) herauskristallisiert: Gelassen und selbstbewusst den undurchschaubaren Zeiten entgegenzutreten. Im Jahre 2003 nach Christus genauso wie im Jahre 383 vor Chr. Verbunden im Geiste der Akademie. Dieter H. Plankl Biografie geb. 1962 in Leoben, lebt in Wien. Kultur- und Natur-Philosoph. Freischaffend u.a. für akaryon und K.U.L.M. Wort-Kaskaden. Denk-Stücke. Buchrezensionen. Lesetipps. Themenkaskaden. Lesungen. Leseperformances. Seminare u.a. für das Leseprojekt "Lesen mit Dieter" www.lmd.at |
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