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Konrad Paul Liessmann, Das Ganze und seine Gegenteile: Die Apokalypse

Sonntag, September 21, 2008
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Hegels schlichter Satz: “Das Ganze ist das Wahre” gewinnt eine ungeheure Spannung, wenn das Ganze das Ganze der Geschichte ist. Entweder wir begreifen nie, oder erst dann, wenn alles zu einem Ende gekommen ist. Das, was wir vor diesem Ende erkennen können, sind Teile, als solche aber unwahr, also Gegenteile. Die Hegelsche, von Marx geteilte Verachtung für das, was gerade geschieht, für die einzelnen Leidensgeschichten der Völker und Menschen, rührt daher, daß nur aus der Perspektive des Ganzen alles seinen Sinn bekommt. Was aber, wenn das Ende, also das Ganze selbst furchtbar ist?

Konrad Paul Liessmann, geb. 1953 in Villach, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien, Professor für Philosophie an der Universität Wien und seit 1996 wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech. Zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Veröffentlichungen zu Fragen der Ästhetik, Kunst- und Kulturphilosophie, Gesellschafts- und Medientheorie, Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, zuletzt erschienen: Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft, Wien (2008), Zukunft kommt. Über säkularisierte Heilserwartungen und ihre Enttäuschung, Graz (2007).