Corinna Milborn, Die Auflösung der Geographie – Migration, Globalisierung und die neuen Grenzen
Ist die Welt durch Globalisierung und Migration zusammengewachsen? Nicht wirklich: Es hat sich nur die Geographie aufgelöst. Ein Blick in die Ghettos europäischer und afrikanischer Großstädte zeigt: Afrika ist in Europa, Europa ist in Afrika. Die Festung Europa ist schon lange keine rein geographische mehr: Zu den Zäunen und Mauern an den geographischen Grenzen kommen immer mehr rechtliche und soziale Hürden, die die Festungsmauern mitten durch die Gesellschaft ziehen – zwischen BürgerInnen und Illegalisierten, Autochthonen und den Zugewanderten bis in die dritte Generation. Arbeit wird nicht nur in Billiglohnländer ausgelagert – sie wird auch in Europa an Menschen aus Billiglohnländern vergeben, und zwar zu dortigen Bedingungen. Dank Migration, Internet und Handy sind die räumlichen Grenzen der Kommunikation aufgehoben, die soziologischen verschärfen sich dafür. Anstelle geographisch begrenzter Gesellschaften treten transnationale Netzwerke, die aber nicht weniger scharf voneinander abgegrenzt sind. Ein Blick auf die Globalisierung von unten und die neuen Spaltungen des Ganzen abseits der Geographie (mit Foto-Beispielen von Reiner Riedler).
Corinna Milborn, geb. 1972 in Innsbruck, Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Fächerkombination Entwicklungspolitik in Wien, Granada und Guatemala. Politikwissenschafterin, Autorin und Journalistin in Wien. Setzt sie sich seit Jahren mit den Themen Globalisierung, Menschenrechte und Migration auseinander. Ihr Buch „Gestürmte Festung Europa“ erhielt 2006 einen „Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch“.
